ORGEL-RETTUNGSGRUPPE
von Yvonne Hofstetter, 12.05.2026
Image: KI-generiert
Wenn in einer Pfarrgemeinde eine Orgel steht, dann steht sie nicht bloß da wie ein alter Schrank, den man halt einmal angeschafft hat und jetzt nicht mehr recht brauchen kann. Eine Orgel ist ein eigener Menschenschlag. Sie schweigt, wenn keiner spielt. Aber wenn sie redet, dann redet sie gleich mit dem ganzen Kirchenraum.
So ist es auch mit der Kollbachtaler Domorgel in Malgersdorf. Sie hat schon viele Sonntage gesehen, viele Hochzeiten, viele Beerdigungen, viele Festtage und auch manche Probe, bei der nicht jeder Ton gleich dort gewesen ist, wo ihn der Chor gern gehabt hätte. Aber so ist das Leben: Nicht alles kommt im ersten Anlauf zusammen, und am Ende klingt es doch.
Im Februar 2026 haben sich nun ein paar Malgersdorfer zusammengefunden, ganz ohne großes Gründungsprotokoll und ohne dass einer vorher gesagt hätte: „Jetzt gründen wir ein Komitee.“ Das Wort „Komitee“ ist in Malgersdorf ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Denn Pfarrer Wastl Striedl hatte bei der Einweihung der Orgel im Jahr 1977 einmal von einem „Orgel-Verhinderungs-Kommitee“ geschrieben. Das war vermutlich, wie es bei ihm oft war, nicht ohne Schalk gesagt und vielleicht auch nicht ganz ohne Wahrheit.
Nun aber hat die Geschichte eine schöne Wendung genommen. Aus dem damaligen „Verhindern“ ist fast fünfzig Jahre später ein Retten geworden. Die neue Runde ist kein Orgel-Verhinderungs-Komitee, sondern eher das Gegenteil: eine Orgel-Rettungsgruppe. Nicht amtlich gegründet, nicht mit Siegel und Urkunde versehen, aber mit Herz, Hausverstand und einer gewissen Beharrlichkeit ausgestattet.
Mit dabei sind Kirchenpfleger Franz E., Pfarrgemeinderätin Klara B., die Organistinnen Theresa E. und Simone R., Studiendirektorin Helga S. und Gemeinderat a. D. Josef S. Jeder bringt etwas mit: der eine Erfahrung, die andere musikalisches Gespür, wieder jemand Kontakte, Ideen, Ausdauer oder einfach die Fähigkeit, nicht gleich klein beizugeben, wenn eine Zahl auf dem Papier größer ausschaut, als einem lieb ist.
Denn eine Orgel rettet man nicht mit frommen Wünschen allein. Man muss rechnen, schreiben, fragen, bitten, erklären und manchmal auch ein zweites Mal nachhaken. Die Gruppe wälzt Finanzierungsideen, spricht mögliche öffentliche und private Geldgeber an und bereitet Veranstaltungen vor, bei denen für die Orgel gesammelt werden kann. Es wird überlegt, verworfen, neu angesetzt und weitergedacht. So, wie man es halt macht, wenn einem eine Sache wirklich wichtig ist.
Dabei geht es nicht nur um Pfeifen, Register, Leitungen und Kostenvoranschläge. Es geht um den Klang von Malgersdorf. Um die Musik bei der Messe, um die Kantorei, um Hochzeiten, Trauerfeiern und Festtage. Es geht um das, was eine Gemeinde nicht immer erklären kann, aber sofort merkt, wenn es fehlt.
Vielleicht hätte Pfarrer Wa-Strie an dieser Rettungsgruppe seine Freude gehabt. Vielleicht hätte er geschmunzelt und gesagt, dass es in einer Pfarrei halt immer beides braucht: die, die bremsen, damit man nicht übermütig wird, und die, die anschieben, damit überhaupt etwas weitergeht.
Diesmal wird angeschoben. Leise, fleißig und mit einem guten Ziel. Damit die Kollbachtaler Domorgel nicht nur als Erinnerung bleibt, sondern wieder so klingen kann, wie eine Orgel klingen soll: stark genug für den Festtag, tröstlich genug für den Abschied und vertraut genug für den ganz normalen Sonntag.