Die Malgersdorfer Kirchenorgel

Die Meier-Orgel in Malgersdorf ist ein besonderes Instrument mit eigener Geschichte und unverwechselbarem Klang. Seit vielen Jahren trägt sie Gottesdienste, Konzerte und die Arbeit der Kantorei und gehört damit zum musikalischen Herzen von Malgersdorf. Viele Geschichten und Anekdoten ranken sich um die Orgel und ganz besonders um ihren Initiator Pfatter Walter Striedl.


Walter Striedl - der Möglichmacher

Walter Striedl (* 27. April 1926 in Plattling; † 13. Juni1999) war katholischer Priester, Komponist und Organist.  Striedls Wirken ist untrennbar mit der Geschichte der Kollbachtaler Domorgel verknüpft.

 

Pfarrer Dr. Walter Striedl - WaStrie, wie er sich selbst nannte - war Seelsorger und Vollblutmusiker, ein Mann, der große musikalische Ideen nicht lange diskutierte, sondern erschuf. Als Niederbayer mit dem wunderbaren Charisma der Musikalität beschenkt, war er schon früh als Organist und Chorleiter aktiv, als ihn sein Lebensweg nach Theologiestudium und Priesterweihe 1962 schließlich 1974 als Pfarrer nach Malgersdorf führte.

 

Die heutige Malgersdorfer Orgel geht wesentlich auf seine Initiative zurück. Er dachte das Instrument groß, eigenständig und klangstark – nicht als Standardlösung, sondern als musikalisches Statement. Der Orgelbau wurde ohne öffentliche Zuschüsse angestoßen; ein erheblicher Teil der Finanzierung erfolgte aus privaten Mitteln Striedls, die restlichen Kosten wurden durch Spenden aus der Gemeinde getragen. Zur Unterstützung der Sammlung veröffentlichte Striedl gereimte Spendenaufrufe im Pfarrbrief. Typisch Striedl: Wenn ihn eine Idee überzeugt hatte, dann galt sie nicht als Wunsch, sondern als Auftrag. Musik war für ihn keine Nebensache, sondern eine Frage der Haltung. 

Foto: Grabstein von Pfarrer Walter Striedl auf dem Malgersdorfer Friedhof. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Urheber: Fluteceleste)



Entstehungsgeschichte der Orgel

Pfarrer Walter Striedl, der in Malgersdorf als Zelebrant die Messe feierte und sie selbst als Organist begleitete, ließ die Orgel gezielt auf diese ungewöhnliche liturgische Praxis hin planen. Daraus ergab sich eine in Aufbau und Disposition ungewöhnliche Meier-Orgel.

 

Der Spieltisch wurde in unmittelbarer Nähe des Altars aufgestellt, um die Personalunion von Zelebrant und Organist praktisch zu ermöglichen. Die einzelnen Teilwerke der Orgel sind dagegen auf mehrere Standorte im Kirchenraum verteilt. Das Westwerk (III. Manual) ist in das Gehäuse der früheren Edenhofer-Orgel auf der oberen Westempore integriert. In die Emporenbrüstung wurde zusätzlich eine Horizontalfanfare eingebaut, die in einem transparenten Schwellgehäuse untergebracht ist.

 

Das Instrument weist neben dem Pfeifenwerk auch elektronische Register auf, deren Klang über Lautsprecher im Bereich hinter dem Hochaltar abgestrahlt wird. Diese elektronischen Stimmen wurden später technisch erneuert. Dort befindet sich auch ein Schalenglockenspiel. Aufgrund der Verbindung von Pfeifenregistern und elektronischen Klangquellen handelt es sich bei der Malgersdorfer Orgel um eine Kombinations- bzw. Hybridorgel.

 

In Konzeption und räumlicher Verteilung der Werke nimmt das Instrument innerhalb des süddeutschen Orgelbaus seiner Entstehungszeit eine besondere Stellung ein. Nach Angaben Striedls wurde das Konzept durch den Besuch einer Kombinationsorgel in Herlheim bei Schweinfurt angeregt.

Technische Daten

 

Orgeltyp: Hybrid- / Kombinationsorgel (Pfeifenregister und elektronische Stimmen)

Orgelbauer: Meier

Baujahr: 1970er Jahre

Spieltisch: freistehend, 3 Manuale, Pedal, im Presbyterium

Werke: Hauptwerk, Chorwerk, Westwerk/Fernwerk und elektronisches Auxiliarwerk

Aufstellung: Teilwerke im Kirchenraum verteilt

Register: ca. 77 klingende Register (inkl. elektronischer Stimmen)
Pfeifenbestand: ca. 3.700

Sonderregister: Horizontalfanfare 8′, Choral-Chamada 4′, Zimbelstern, Gongglocken, Glockenspiel



Disposition der Orgel: Manuale und Werke

Bild: Schematischer Grundriss St. Stephanus in Malgersdorf mit der Verteilung der Orgelwerke. KI-generiert nach einer Vorlage des Bistums Passau/Kirchenmusik

Die meisten Register stehen auf Schleifladen, die übrigen auf Kegelladen. Spiel- und Registertraktur sind elektrisch.

I. Manual: Hauptwerk im Kirchenschiff

Bordun 16‘

Principal 8‘

Hohlflöte 8‘

Bratsche 8‘

Salicional 8‘

Vox coelestis 8‘

Gedecktquinte 5 ½‘

Oktav 4‘

Traverse 4‘

Gemspfeife 4‘

Offenquinte 2 2/3‘

Nachthorn 2‘

Principal-Trio 8‘ + 4‘ + 2‘

Sesquialter 3-fach 2 2/3‘

Ripieno 5-fach 2‘

Larigot 1 1/3‘ + 1‘

Quartan 2/3‘ + ½‘

Buntzimbel 3-f. 4/11‘ + 1/7‘ +1/9‘

Dulzian 16‘

Schalmey-Oboe 8‘

Tremulant

Hauptorgel – Pedal:

Untersatz (ab F) 32‘

Holzbass 16‘

Quintbass 10 2/3‘

Kupferbass 8‘

Zartbass 8‘

Rauschbass 5 1/3‘

Kontrafagott 32‘

Bassposaune 16‘

Tenorposaune 8‘

Choral-Chamada 4‘ 

II. Manual: Chororgel im Presbyterium (Schwellwerk)

Metallgedeckt 8‘

Rohrflöte 4‘

Gambetta 4‘

Principalino 2‘

Spitzquint 1 1/3‘

Superterz 4/5‘

Oktavino ½‘

Scharff 4-fach 1‘

Zwergzimbel 2-fach 1/8‘

Tremulant

Glockenspiel

Pedal der Chororgel:

Pommerbass 16‘

Violonbass 8‘

Piffaro 4‘+2‘

Koppeln:

Normalkoppel II-I

Normalkoppel III-I

Normalkoppel III-II

Normalkoppel I-Ped.

Normalkoppel II-Ped.

Normalkoppel III-Ped.

Superoktavkoppel Ped.

Superoktavkoppel I

Superoktavkoppel II-I

Superoktavkoppel III-I

Suboktavkoppel II-I

Suboktavkoppel III-I 

III. Manual: Fernwerk auf der West-Empore

Holzgedeckt 8‘

Quintade 8‘

Praestant 4‘

Blockwerk-Mixtur 5-6-fach 8‘

Corona 3-4-fach 2/3‘

Acuta 3-fach ½‘

Gong-Glocken

Zimbelstern

In die Emporenbrüstung eingebaut und in Plexiglas-Schwellkasten:

Horizontal-Fanfare 8‘

Spielhilfen:

2 freie Kombinationen

2 feste Kombinationen (Prinzipalchor und Zungenchor)

General-Tutti

1 Zungen-Generalabsteller

14 Zungen-Einzelabsteller

12 Stimm- bzw. Lautstärke-Reglerknöpfe für die elektronischen Register

3 Schwelltritte

Elektronisches Zusatzwerk

II. Manual:

Tuba magna 16‘

Krummhorn 16‘

Trompete 8‘

Harfenregal 8’

Vox humana 8‘

Euphon-Quinte 5 1/3‘

Französ. Clairon 4‘

Hautbois 4’

Streicher-Schwebung 2-fach 8’

Cornett 5-fach 8‘

Großmixtur 5-6-fach 2 2/3‘

Schelle 3-fach ½‘

III. Manual:

Keraulophon 8‘

Philomela 8‘

Sologeige 8‘

Unda maris 8‘

Fugara 4‘

Waldflöte 4‘

Weidenpfeife 4‘

Flageolett 2‘

Dolcissimo 2’

Piccolo 1‘

Tertian 1 3/5’

Kleinmixtur 4-fach 1 1/3‘

Cembalo

Klavier

Pedal:

Subbombarde 32‘

Pauke 32’

Diapason 16‘

Rankettbass 16‘

Bariton 8‘

Zink 4‘ 



Einzelnachweise

  1. Die ungewöhnlichste Orgel im Bistum Passau. 03.09.2021. Video-Reihe des Bistums Passau.
  2. Orgel von Malgersdorf: Weltweit einzigartig. 24.12.2021. München: Süddeutsche Zeitung.

Weblinks

Commons: Malgersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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