
Über Pfarrer Walter Striedl ist im Lauf der Jahre viel erzählt worden, manches mit einem Kopfschütteln, manches mit Ehrfurcht, das meiste aber mit einem herzhaften Lachen. Denn wer ihn erlebt hat, weiß: Der WaStrie war keiner, der lange fragte, wenn er längst wusste, was zu tun war.
Ob bei der Kantorei, beim Orgelbau oder im täglichen Leben der Pfarrei: Wo andere erst Sitzungen abhielten, hatte er oft schon entschieden, geplant und manchmal sogar gebaut. Und wenn ihm dabei einer dreinreden wollte, konnte es vorkommen, dass der Betreffende zwar das letzte Wort hatte - aber der Pfarrer den längeren Atem.
Was geblieben ist, sind Geschichten. Kleine Begebenheiten, trockene Bemerkungen, störrische Entscheidungen und Augenblicke, wie sie nur das echte Leben in einem niederbayerischen Pfarrhof schreiben kann.
Und manches hat der Walter Striedl sogar selbst hinterlassen. Die folgende Begebenheit hat der WaStrie im Advent 1996 eigenhändig aufgeschrieben, vermutlich ohne zu ahnen, dass wir ihn dreißig Jahre später noch einmal als Fürsprecher seiner Orgel bemühen würden.
Hoffentlich sitzt er inzwischen dort oben an einer himmlischen Orgelbank und spielt der Heiligen Dreifaltigkeit auf - so möge er bei Gelegenheit der Vorsehung in Malgersdorfer Orgel-Angelegenheiten ein wenig auf die Sprünge helfen, damit "unten" zusammenkommt, was für "seine" Orgel bestimmt ist.
Striedl, Walter. (1996). Die Orgel-Verhinderungs-Kommission. In: Die Orgeln in der Pfarrei Malgersdorf, S. 18-21.
Die Orgelbau-Verhinderungs-Kommission
Kurz vor seinem allzu-frühen Tod beantragte der damaIige Pfarrer von GERN, A. H. ( + ), für eine Omnibuskarawane aus seiner Pfarrei eine Vorführung der inzwischen schon einigermaßen berühmt gewordenen „Super-Orgel“ in unserer Pfarrkirche. Nach dieser Klangdemonstration schrieb Confrater A. in unser Gästebuch:
„So etwas Großartiges, wie hier in Malgersdorf entstanden ist, kann nur gelingen unten Ausschluß von Behörden und Instanzen!“
Da konnte er recht haben! Wir Malgersdorfer hatten uns ja tatsächlich sämtliche „Amtsschimmel“, die sich für Orgelbau-Genehmigungen zuständig hielten, vom Leibe gehalten. Nun erweisen sich aber – dies ist fast ein Naturgesetz – übergangene, ausgebootete, links liegen gelassene Instanzenvertreter, denen es verwehrt ist, bei einem Projekt ihres Zuständigkeitsbereichs „ihren Senf dazuzugeben“, als tiefgekränkte „beleidigte Leberwürste“! In jeder Diözese gibt es einen oder mehrere „amtliche Orgelexperten“, von denen sich Orgelbauwillige, die wenig Ahnung von der Materie haben, beraten lassen können, im Bistum Passau in den letzten Jahrzehnten z.B. M.T. ( + ), W.R.S. ( + ), N.W. ( + ).
Ich selbst bin seit dem 17.01.1968 im Besitz eines Dokuments, aus dem hervorgeht, daß mich das Passauer Domkapitel „für fähig und berechtigt“ hält, hieb- und stichfeste Orgeldispositionen zu entwerfen. Unterzeichnet vom damals stellvertretenden Generalvikar Prälat Dr. E.J. Vor dem Malgersdorfer Projekt hatte ich bereits Klangplanungen (die verwirklicht wurden) geliefert für die Meier-Orgeln in Vilshofen, Haberskirchen, Sandbach, Regensburg (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder), Hofkirchen a. d. Donau, Passau-Neustift, Triftern und Nöham, für die Weise-Orgeln in Windorf und Mehring bei Burghausen, für die Eisenbarth-Orgel in Holzkirchen bei Ortenburg, für die WastIhuber-Orgel in Tüßling-Heiligenstatt, für die Wappmannsberger-OrgeI in Altötting-St. Josef und für die Sachs-Orgel in Margarethenberg.
So war es für mich höchst selbstverständlich, daß ich gerade auch das Instrument für die Kirche „meiner“ Pfarrei MALG. nach e i g e n e m Gutdünken planen würde; schließlich wußte ich ja am besten Bescheid über die Platzverhälttnisse im Kirchenraum und über die finanziellen Möglichkeiten. Ich wollte kein Rebell sein; brav und folgsam instruierte ich H. H. Generalvikar A.G. im Mai 1976 von unserem Vorhaben. Als ich ca. 5 Monate lang aus dem Bischöfl. Ordinariat nichts Gegenteiliges erfuhr, nahm ich an, dem Projekt stünde nichts im Wege und veranIaßte verschiedene Vorarbeiten, z.B. den Durchbruch der 1,50 Meter dicken Mauer an der Nordwand der Kirche zu einem dahinter liegenden freien Raum, der die Register des Hauptwerks aufnehmen sollte. Ich bestellte den (ebenfalls von nur Spieltisch und erteilte den beteiligten Firmen endgültige Aufträge: dem Orgelbauer meiner Wahl, Friedrich Meier, Plattling, der Baufirma Weber, Elektro-Heinzelsperger, Schreinerei Kayer (sämtliche Malgersdorf) und schließlich dem Holzbildhauer Adolf Stegmeier-Hirschhorn-Steinbach zur Schaffung einer Gruppe musizierender Engel.
Als die Baumaßnahmen schon rege im Gang waren, kam ein Spion aus der Bischofsstadt, ein Instanzen-Mann, entrüstete sich pflichtschuldigst und alarmierte seinesgleichen. Worauf eine am Passauer Domplatz residierende Behörde beim Landratsamt ROTTAL-INN beantragte, den Malgersdorfer Orgelbau augenblicklich zu s t o p p en! Und für Mittwoch, den 13. Oktober 1976, sagte sich der „Hohe Rat“ zu einem Lokaltermin in Malgersdorf-St.Stephan an: Domkapitular N.N., der Leiter des Diözesanbauamts, N.N., stellvertretender Diözesanbaumeister, N.N., „amtlicher Orgelsachverständiger“, Oberkonservator N.N. vom Landesamt für Denkmalpflege, Kreisbaumeister N.N. - Pfarrkirchen. Orgelbauer Friedrich Meier und ich wurden auch dazu-zitiert; wir beide hatten uns ja zu „verantworten“. Die Orgelbau-Gegner waren somit bei weitem in der Überzahl.
Wenn sie einerseits nicht so ärgerlich und traurig gewesen wäre, so hätte man diese ca. einstündige Konferenz durchaus belustigend finden können. Denn gar zu hanebüchen waren die Argumente der Orgelbau-Verhinderungs-Eiferer. Insbesondere N.N. und N.N. hatten nicht die Spur von Sachverstand zu bieten, verstrickten sich am laufenden Band in Widersprüche. OrgeIbauer Meier freilich zitterte wie Espenlaub, als man ihm drohte, den Betrieb zu schließen, falls er im Sinne von Pfarrer Striedl weiterarbeite. Ich beruhigte ihn mit klaren Worten. Je länger die Debatte dauerte, desto kämpferischer ward mir zumute. Schließlich erklärte ich:
„Wissen Sie, meine Herren, wie für mich der heutige Tag begann? In aller Frühe wurde ich zu einem Verkehrstoten gerufen. Dann zu einem Schwerkranken. Mit weiteren ernsten Problemen wurde ich konfrontiert – und Sie hier streiten um des Kaisers Bart, feilschen um Zentimeter! Ich mache dieses Theater nicht mehr länger mit, ich gehe!“
Mehrstimmige Entrüstung. Ich fuhr fort:
„In Bayern ist es seit eh und je Sitte: Wer zahlt, schafft an! Die Finanzierung des Orgelbaus ist gesichert, ich habe aus eigener Tasche einige Tausender beigesteuert, wie brauchen und wollen keine Zuschüsse, weder aus Passau noch aus München, aber dreinreden lassen wir uns auch nichts!“
Herrn Vize-Diözesanbaumeister N.N., der bislang die Debatte stillschweigend verfolgt hatte, fragte ich:
"Was meinen Sie, Herr N.N., wird durch diese Orgelbaumaßnahme die Kirche aufgewertet – oder nicht?“
Ein still-vergnügtes, schier verständnisinniges Lächeln um seine Mundwinkel war die „Antwort“.
„Danke“, sagte ich, „ich kenne mich aus!“
Ein anderer Herr des Gremiums, nämlich Kreisbaumeister Kurt M., der die „untere Denkmalpflege“ zu vertreten hatte, war ebenfalls lange stummer Zuhörer. Er wurde nun von Domkap. N.N. gedrängt:
„Herr Kreisbaumeister, Sie haben sich noch gar nicht geäußert, wie ist denn Ihr Standpunkt?“
Da wandte sich (Kurt M.) an mich mit der Frage: „Herr Pfarrer, wann war denn die letzte Orgelweihe in Triftern?“
Meine Antwort: „Am Sonntag LAETARE, den 8. März 1974.“
(Kurt M.) weiter: „Wir wußten, daß die Kirchenmusik unter Kaplan Str(iedl) damals einen sehr hohen Stellenwert hatte. Als wir in der Zeitung lasen, daß tags darauf in Triftern Orgelweihe sei, beschloß ich, mit Frau und Tochter einen Sonntagsspaziergang dorthin zu unternehmen. Was wir dann in Triftern erlebt haben, veranlaßt mich zu der Meinung, man sollte Herrn Pfr. Str(iedl) die Orgel so bauen lassen, wie er es für richtig hält!“
Ein paar lange Gesichter, aber „grünes Licht!“ Solch eine weitverzweigte Orgelanlage wie die hier in Malgersdorf kann praktisch nur in Etappen errichtet werden. So konnten wir auch d r e i m a l das Freudenfest einer ORGELWEIHE feiern, ehe wir vom Gesamtkomplex Besitz ergreifen konnten.
WaStrie